Mhhhm...
Also grundsätzlich teile ich Jeannes Ansicht, sehe das aber nicht strikt. Ich finde, die Pubertät ist dazu da, sich und seinen Körper kennen zu lernen, neue Eigenschaften an sich zu entdecken und das andere Geschlecht als interessant wahrzunehmen. Auch bei mir kam irgendwann der Klick und ich fing an, mir Bücher in die Hand zu nehmen, in denen zunächst Lexikonartig über den Geschlechtsverkehr geschrieben wurde, erst später habe ich auch großteils - wenn nicht nur durch das Internet das Thema differenziert und mich schlau gemacht; auch über viele (vielleicht auch peinliche ?) Themen gelesen um einfach mal zu wissen, was das dies und jenes ist. Es ist ein normaler Akt, es gehört zum Erwachsensein dazu, ein gewisses Sexualleben zu entwickeln - es ist unser biologischer Erhaltungstrieb, den wir nicht abstellen können.
Wenn die 15 Jährige ihren ersten Freund findet empfinde ich das als normal und für unsere moderne Zeit - in der wir nicht mehr in einem Klassengesellschaftsystem leben und keine dominante Erziehung mehr erleben, die früher oft durch die Religion und Familienpolitik sehr heftig geprägt worden ist - ist das auch inzwischen zeitgemäß. Warum sollte das 15 jährige Mädchen das nicht tun? Natürlich sage ich von vornerein - das sind sozusagen Ausprobier-Beziehungen. Das hält nicht und es ist jedermann abzuraten, die 1. Beziehung als Lebensbeziehung anzusehen. Das wird nicht funktionieren. Sollen die Mädels und Jungs sich in der Pubertät näher kennen lernen. Es ist normal.
Was mich aber stört, wenn Beziehung und Freund zum Statussymbol wird und man anfängt, zu vergleichen. Ja es stört mich sehr, denn nur weil ich beispielsweise keinen Freund habe und bisher noch nie hatte - bin ich deswegen nicht IN. Man muss Freund haben um mit anderen Mädels in der Schule (so meine Erfahrung) mitreden zu können, man muss den Freund haben um gemeinsam abends mit Freunde zusammen auszugehen, man muss einen Freund haben um zumindest zu zeigen, dass man attraktiv ist bzw. sein kann. Natürlich denkt nicht jeder in diesem Schubladesystem. Leider ist die Zahl dennoch erschreckend hoch und gerade in diesem jungen Alter wird dieser Punkt sehr deutlich wahrgenommen. Auch ich konnte nicht in diesem Punkt mitreden und hatte nicht nur kontaktmässig wenige Chancen, nein ich wurde sogar herabgestuft und man hat über mich hergezogen.
Es liegt nicht an mir - ich habe abgesehen vom Kinderalter nicht behaupet, das ich keinen Freund möchte. Der Feine Unterschied ist nur - es hat sich bisher im Leben nicht ergeben. Durchaus hat der ein oder andere Junge mir schon zu verstehen gegeben, dass er mich näher kennenlernen wollte - aber dann wollte ich nicht. Beide Paare müssen aneinander finden, es muss nicht nur die sexuelle Anziehungskraft stimmen, sondern auch die Chemie, ihr Umgang, ihre Marotten, ihre Interessen - und selbst wenn letztere Unterschiedlich sind. Die Frühreif-Beziehung vpn der späteren Beziehung unterscheidet sich von dem reinen Zweckcharakter - so hart es jetzt für alle lesenden Paare klingt, meiner Ansicht nach probiert man in der Jugend einfach aus, wer zu einem passt. Wenn der Partner schnell gefunden wird und man 2-3 Jahre zusammenbleibt ist das schön. Aber die meisten "Beziehungen" halten wenige Wochen.
Ich selbst halte nichts von diesem Ausprobiercharakter, auch wenn die Pubertät scheinbar dafür gemacht wurde, einfach bissl zu probieren. Denn leider sind wir soweit, dass heute einfach viel zu viele Beziehungen beim bloßen Ausprobieren bleiben. Die Liebe ist schnell nach einiger Zeit futsch. Ich möchte mich zumindest in die Person verlieben, sie langsam kennenlernen bevor ich mit ihr ins Bett gehe. Selbst wenn der erste Freund bei mir nicht der richtige für mich sein wird. Und ich bin der Ansicht, ein wirkliches Bewusstsein von einer starken Beziehung, in der es auch mehr auf die inneren Werte geachtet wird als nur auf die sexuelle Ausstrahlung (natürlich nicht unwichtig, aber zum Charakter zweitrangig) kann man erst als Erwachsener entwickeln. Man entwickelt ein gewisses Verantwortungsbewusstsein und Sorge um den lieben Mitmenschen, den man liebt, man denkt vorausdenkender und vielschichtiger als nur mit Frühlingsgefühlen durch die Welt zu rennen. Ich will nicht irgendwie prüde oder alt wirken, aber ich finde jeder Mensch muss wissen wie er das angeht und man darf nicht negativ mit Vorurteilen herangehen, wenn es auch unter den jungen Leuten Menschen gibt, die mit der Liebe eben viel vorsichtiger und ganz anders umgehen, als andere.
Nachtrag: Was ich gar nicht abgewinnen kann, ist - wenn Kinder versuchen, neben Rauchen und Partys mit 10 schon Beziehungen anzufangen - vermutlich nur, um dazu zu gehören. Das widert mich an.